Weinbergpfirsichblüte

Moselweinbergpfirsich: Geschichte und Herkunft

In warm - gemäßigten Klimazonen wird der Pfirsich [botanischer Name: Prunus persica (L.) Batsch] weltweit als Kulturpflanze angebaut. In Deutschland hat der Pfirsichanbau eher eine untergeordnete Bedeutung und ist heute vor allem auf die klimatisch begünstigten Gebiete in Süd- und Südwestdeutschland (z.B.: Flusstäler) beschränkt. Eine Renaissance erlebt zurzeit der rotfrüchtige Weinbergpfirsich an der Mosel, der mit seiner prachtvollen Blüte das Landschaftsbild der Weinkulturlandschaft Mosel entscheidend mitprägt und seine Früchte zu vielfältigen Spezialitäten verarbeitet werden können.

Der Urspruch des Pfirsichs liegt im mittleren und nördlichen China. Hier wurden bereits 2200 v. Chr. unter der Bezeichnung „Sing“ verschiedene Pfirsichsorten kultiviert. Über verschiedene Handelswege gelangt der Pfirsich nach Vorderasien, insbesondere nach Persien. Der botanische Name Prunus persica (Perische Pflaume) leitet sich auch daher ab. Von Persien gelangte die Frucht durch die Römer nach Italien, Frankreich und in andere Mittelmeerländer. Man vermutet, dass die Pfirsiche durch die Römer nach Deutschland gebracht wurden.  Nachweise von Pfirsichsteinen in Deutschland gibt es in der Saalburg/Taunus (120 v. Chr.), Neuß, Mainz und Rottweil. Paläobotanische Nachweise von Pfirsichsteinen für das Moseltal aus der Römerzeit sind nicht bekannt. Im Mittelalter (ca. 810 n. Chr.) findet der Pfirsich seine Erwähnung in der „Capitulare de villis vel curtis imperii“, einer Landgüterverordnung von Karl dem Großen. Hier wird er als „persicarios“ benannt. Als Mittel mit heilender Kraft fand die Pfirsichpflanze auch Erwähnung bei Hildegard von Bingen (ca. 1150 n. Chr.). Auch erwähnte Albertus magnus (ca. 1250 n. Chr.) den Pfirsich als „persicum“. Der Pfirsich breitete sich im Hoch- und Spätmittelalter sowie in der Folge weiter in Mitteleuropa aus. Der Pfirsich dürfte jedoch lange Zeit als „Luxusfrucht“ gegolten haben. 1575 soll der Pfirsichanbau im Dresdener Elbtal und in den Weinbergen bei Lößnitz urkundlich erwähnt sein. Nachweise gibt es auch für Lübeck, Zürich, Heidelberg. Weiterhin gab es den Anbau auch in Polen und Tschechien. In Franreich begannen die Zucht von edleren Sorten sowie der erwerbsmäßige im 17. Jahrhundert. Vor Frankreich aus weitete sich der Anbau auch nach Deutschland aus. Pfirsiche wurden hier an den Fürstenhäusern am Spalier gezogen. Die wirtschaftliche Bedeutung des Pfirsichs setzte in Deutschland jedoch erst ab dem 19. Jahrhundert ein, wobei in der Pfalz der Pfirsichanbau eine besondere Bedeutung hatte. Der heute bekannte Weinbergpfirsich wurde im 16. und 17. Jahrhundert in der Pfalz aus Sämlingen gezogen. Es waren kleinwüchsige Bäume mit kleinen, harten, stark bepelzten Früchten, die ein rotes Fruchtfleisch kennzeichneten. Eine wirtschaftliche Bedeutung erlangte dieser Pfirsichtyp jedoch nie. Gleichwohl war er lokal im Moseltal und anderen Weinbaugebieten lange Zeit ein prägender Teil der Kulturlandschaft. Bevorzugt angepflanzt wurde er in den Niederungen des Moseltales sowie an Orträndern. Aber auch an geeigneten Standorten an den Rebhängen war er zu vorzufinden. Schwerpunkt der Verbreitung ist der Moselabschnitt zwischen Cochem und Koblenz. Bekannt ist der Weinbergpfirsich allerdings an der gesamten Mosel.  Die Früchte dienten vornehmlich dem Eigenverbrauch. Mit der Intensivierung der weinbaulichen Nutzung ab den 1950 Jahren ist auch ein Rückgang des Weinbergpfirsichs zu verzeichnen. Der Rückgang der Anbaufläche an der Mosel ab den 1990er Jahren brachte den Weinbergpfirsich als eine mögliche Alternativnutzung von Rebbrachen wieder verstärkt ins Bewusstsein. Gleichzeitig entdeckte man aber auch den Weinbergpfirsich aber als zusätzliche Einnahmequelle bei der Veredlung der Früchte zu Likör, Brandt, Fruchtaufstrich usw. und als Delikatesse in der moselländischen Küche. Mit Unterstützung des Landes Rheinland-Pfalz (z.B. Erprobungsprojekt Roter Weinbergpfirsich; Biotopsicherungsprogrammen etc.) sowie im Rahmen von Bodenordnungsmaßnahmen wurden verstärkt die Anpflanzung von Weinbergpfirsichen gefördert. Über die Gesamtzahl der Weinbergpfirsiche an der Mosel gibt es keine genauen Angaben. Man schätzt die Zahl auf ca. 15.000.